Tag 58: Unglück schläft nicht…Glück aber auch nicht

Am Morgen hatte der Regen noch immer nicht aufgehört, stattdessen hatte es sich so richtig eingeregnet und ein Ende war auch kurzfristig nicht in Sicht. So starteten wir den Tag erst einmal ganz gemütlich und Irma hatte ja auch noch ein Frühstück für uns in peto. Nach dem leckeren Abendessen waren wir sicher, dass auch dieses spitze sein würde, und dementsprechend groß war unsere Vorfreude. Und wow… was Irma alles auftischte war unglaublich. Mindestens ein halbes Dutzend selbstgemachte Marmeladen, leckeren Käse, Honig von ihren eigenen Bienenstock und dazu ein sehr gutes Bauernbrot, natürlich auch selbstgebacken. Doch damit nicht genug, auch noch frisch gebratene Eier, Cornflakes, selbstgebackene Kekse, Tee und Kaffee standen im nu vor uns. Was für ein Buffett! Als wir begeistert fragten ob wir eine der Marmeladen kaufen könnten, kam sie mit einem großen Glas zurück und schenkte es uns :)) Man, wie gastfreundlich und was für ein schönes Plätzchen! Wir waren auf jeden Fall gut gestärkt für den Tag, Gott sei Dank, denn der sollte noch ein großes Abenteuer für uns Bereit halten…

Nach dem Mittag hellte sich der Himmel ein wenig auf und wir machten uns auf die Weiterreise. Geplant war, uns ein altes Alpendorf anzuschauen und Google sollte den Navigator machen, natürlich ohne Autobahnen. Kaum on the road wurden wir auch schon mit tollen Landschaften belohnt.

Google führte uns über entlegene Straßen immer weiter den Westen. Auch der Regen hatte endlich aufgehört, mit der herauskommenden Sonne verdampfte die Nässe und sorgte so für große Nebelschwaden im Gebirge. Echt ein tolles Naturschauspiel wie diese um die Berggipfel tanzten. Mit der Zeit kamen wir unserem geglaubten Ziel näher…so versprach es Google Maps zumindest. In der Realität jedoch kamen wir immer weiter vom Schuss ab und die Straße auf der wir fuhren, wurde immer steiler, schmaler und zunehmest unbefestigter. Als wir das angebliche Ziel erreichten, waren wir nicht an einer der 8. größten Sehenswürdigkeiten Sloweniens, sondern auf einem ziemlich schmalen und schottrigen Feldweg, weit oben in den Hügeln Gott weiß wo. Mist. Umdrehen auf der schmalen Straße war keine Option, und so ging es weiter geradeaus ins ungewisse. Google berechnete zwar fleißig vor sich hin, zeigte aber auch nicht mehr das Straßennetz oder irgendetwas anderes um uns herum an. Als wir die Auffahrt zu einer kleine, etwas oberhalb liegenden Hütte passierten, sahen wir unsere Chance zu drehen und Mario setzte in die Auffahrt zurück. Leider war dieses in der Tat eine ziemlich dusselige, unüberlegte und verhängnisvolle Entscheidung, aber das sollte uns erst einige Sekunden später bewusst werden. Der Auffahrt zum Wenden war steiler als angenommen und der Wendekreis war nicht annähernd ausreichend. Nur einen Augenblick später und Dorphine saß fest, vorne bereits mit der Stoßstange im Hang und hinten zu steil und ohne Gripp um zurück zusetzten. Die Hinterreifen drehten durch und uns schwante böses…verdammter Mist, wir stecken ganz schön in der Sch…

Beim Anblick von Dorphine in ihrer jetzigen Lage wurde uns schnell klar, dass wir alleine nicht aus diesem Schlamassel rauskommen würden. Also schnappten wir uns Twiggy und machten uns zu Fuß auf die Suche nach Hilfe. In dem Garten eines ersten Hauses das wir erreichten, werkelte eine Frau, die zwar weder Englisch noch Deutsch sprach aber trotzdem erahnte was unser Problem war. Sie zeigte auf einen etwas weiter talwärts liegenden Bauernhof und schickte uns mit einem langen, freundlichen slowenischen Redeschwall mit dem einzigen Wort welches wir verstanden „Traktor“ zu diesem. Und Traktor war „mal wieder“ genau das, was uns noch aus dieser misslichen Situation helfen konnte. Der Weg talabwärts war eine ganz eigene Herausforderung. Durch hüfthohes Gras ging es an der Kuh Wiese entlang, während uns die Tiere misstrauisch beäugten. Passiert dem lieben Vieh wohl auch nicht so oft, dass sich fremde Leute auf ihre Weidegründe verirren. Als wir endlich unten angekommen waren und den Hof des kleinen Bauernhofes betraten, wurden wir stürmisch von dem Hofhund, einem ausgewachsenen Schäferhundmischling begrüßt. Und er machte nicht den Eindruck, dass er Besucher gerne sah, so wie er immer wieder an uns hochsprang. Zudem hatte Mario noch Twiggy auf dem Arm, welches die Lage nicht gerade verbesserte… Sein lautstarkes Gebelle lenkte allerdings auch die Aufmerksamkeit der Hofbesitzer schneller auf uns, die sogleich am Balkon erschienen. Zu unserem Glück konnte der Sohn gut Englisch und so konnten wir ihm unsere Misere schildern. Er übersetzte für seine Eltern und alle drei waren sich einig uns mit ihrem Traktor zu helfen. Echt mal wieder mega nett und hilfsbereit! Nur wenige Minuten später waren der Vater und Sohn mit dem Traktor bei Dorphine und die Rettungsaktion konnte starten. Und weil Bilder mehr als tausend Worte sagen…(nichts für schwache Nerven, man achte am Ende des Videos, das rechte Vorderrad steht bereits in der Luft).

Und ja, was für ein Schwein gehabt, da sind wir wohl sehr knapp an einer viel schlimmeren Katastrophe vorbeigeschlittert und Dorphine hätte beinahe auf der Seite gelegen. Puuuh… Wir schafften es die kleinen Verständigungsprobleme mit dem Vater aus dem Weg zu räumen und starteten einen erneuten Versuch Dorphine wieder auf die Straße zu bringen:

Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, was für uns ein riesen Brocken uns vom Herzen gefallen ist, als Dorphine wieder mit allen vieren auf dem Boden stand! Unsere beiden Helden waren total bescheiden und wollten nicht mal ein kleines Dankeschön annehmen „we are here to help you“ waren die Worte des Sohnes…nach etwas Zögern nahmen sie es doch noch und so konnten wir uns zumindest ein wenig Erkenntlich zeigen…definitiv unsere ABSOLUTEN mega Heros bis dato – HVALA – HVALA – HVALA

Man, man, man. In Zukunft brauchen wir diese Art von Abenteuer sicherlich nicht mehr…auch wenn sie vermutlich zu so einem Trip auf die eine oder andere Weise dazugehören. Zumindest wachsen wir mit den Aufgaben und Herausforderungen :))

Kaum wieder on the Road, setzte der Regen wieder ein. Wir ließen uns davon aber nicht beirren und machten uns auf den Weg, wo tatsächlich das Alpen Dorf lag zu welchem wir ursprünglich wollten. Auch heute Nacht wollten wir wieder auf einem privat geführten Bauernhof übernachten, doch als wir im strömenden Regen ankamen wurden wir weiter geschickt. Der Platz war leider vom Regen komplett aufgeweicht und konnte so nicht als Stellplatz herhalten. Dieses wurde uns von einem etwas kauzigen, eigenwilligen, jedoch auch irgendwie liebenswerten Mann geschildert, welcher sich dann auch als Betreiber der Gaststätte herausstellte… Und all das inmitten des krass verqualmtem Lokals…Uijuijui…ist man so gar nicht mehr gewöhnt, dass in Gaststätten geraucht wird. War aber definitiv eine sehr schräge Begegnung. Auch der nächste Stellplatz war bereits geschlossen…lief bei uns 🙂 Beim dritten wurden wir schlussendlich fündig und bekamen einen Stellplatz auf festem Untergrund…Schotter 🙂

Nachdem der Regel nachgelassen hatte, wagten wir uns zu Fuß ins nahegelegene kleine Städtchen. Wir kehrten bei einem sehr leckeren, kleinen Mexikaner ein… das Essen hatten wir uns auch verdient nach dem doch sehr stressigen Tag – War echt yummy!

Unglücklicherweise kam der Regen samt einem kräftigen Gewitter zurück und so blieb uns nichts anderen übrig, als in den sauren Apfel zu beißen und den Rückweg zu Dorphine trotz dessen anzutreten. Schon lange nicht mehr so nass geworden! Nur gut, dass wir präventiv an unsere prima Regenmäntel gedacht hatten 🙂 Jeder Bulli-Camper wird das Problem kennen, klatschnasse Jacken, Hosen und Schuhe aber wohin jetzt damit ohne die gesamte Feuchtigkeit im Auto zu haben. Zaaack in die praktische, blaue Ikea Tasche, zugeschnürt und fertig war die Laube. Nützt ja Alles nichts…nur hoffentlich wird morgen das Wetter wieder besser!!!

9 Kommentare zu „Tag 58: Unglück schläft nicht…Glück aber auch nicht

  1. Huch, was bin ich froh, dass das so gut ausgegangen ist. Hatte mir ja schon Gedanken gemacht und nicht umsonst via WA angefragt, ob bei Euch alles ok ist. Ist nun schon das 2. Mal, dass Euch ein Traktor aus der Misere geholfen/gezogen hatte. Wie schön, dass es so nette, hilfsbereite Menschen gibt. Ich schreibe Euch noch via WA etwas zu den Sehenswürdigkeiten.

    Seid lieb gegrüßt und passt auf Euch auf, Muddi, Omi, Heidi ❤ ❤ ❤

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  2. Hey ihr, oha, was für eine Geschichte, aber mit einem glücklichen Ende🍀. Liebe Grüße von der Wilkens Family und weiterhin viel Spaß ☀️😎

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