Tag 161 und 162: Im längsten Straßentunnel der Welt und die Flåm Railway Fahrt

Die Zeit von Geiranger Abschied zu nehmen war nach 2 Übernachtungen für uns gekommen…dieses nahezu leere, kleine und unter „normalen“ Umständen eher überlaufene Dörfchen, diesen sensationelle Stellplatz direkt am Fjord, Ja, das Alles haben wir sehr zu schätzen gewusst! Doch der nächste und bestimmt auch sehr schöne Ort sollte bereits auf uns warten. Wir verließen Geiranger über die Bundesstraße 63, die sich hinter dem Dorf den Berg hinaufschraubt, so dass wir noch einen letzen fantastischen Blick zum Abschied über den Fjord und das Dorf hatten.

Und auch im weiteren Verlauf ist die Strecke mitsamt seiner Passstraße absolut empfehlenswert…was für eine sensationelle Landschaft inmitten der Berge und Gebirgsseen! Aufgrund von Tunnelarbeiten mussten wir eine knappe Stunde warten, ehe wir weiter kamen, und konnten so noch ein bisschen länger die schöne Umgebung genießen. Hach, was werden wir die vielfältige, großartige Landschaft Norwegens doch vermissen, wenn wir wieder im flachen Hamburg sind.

Unsere weitere Route führte uns an diesem Tag nach Laerdal, einem kleinen Dörfchen mit einigen gut instand gehaltenen, alten Holzhäusern. Dort fanden wir einen wunderschönen Wildcampingspot auf einer ehemaligen Bergumgehungsstraße, welche mittlerweile durch einen Tunnel ersetzt wurde. Und was für eine traumhafte Aussicht wir auch von diesem Spot hatten!

Am nächsten Morgen wartete gleich ein kleines, oder besser gesagt langes Norwegen Highlight auf uns. Denn direkt hinter Laerdal beginnt der gleichnamige Tunnel, und dieser ist mit seinen 24,5 Kilometern Länge der längste, mit dem Auto befahrbare, Straßentunnel der Welt. Cool! Und als wenn der Fakt, dass der Tunnel einzigartig ist nicht schon abgefahren genug wäre, gibt es in dem Tunnel auch noch ultra spacige Haltebuchten. Aber seht am Besten selbst:

Übrigens gibt es in dem Tunnel nicht nur eine Geschwindigkeitsmessung und ein ausgefeiltes Lichtkonzept, sondern in diesem wurden sogar noch extra Kurven gelegt, damit man als Fahrer nicht einem allzu eintönigen Tunnelblick erliegt und durch etwas Abwechslung die Konzentration bei Laune gehalten wird. Wir allerdings waren weit entfernt davon dem Tunnelblick zu verfallen, waren wir doch viel zu begeistert von diesem schier unglaublichen Bauwerk…einfach nur gigantisch!

Unser nächstes Ziel war das kleine Dorf Flåm. Es liegt am Ende des Aurlandsfjords und ist in normalen Jahren ebenfalls ein absoluter Touristen Hot Spot mit einer dementsprechend guten Infrastruktur. An diesem Morgen waren wir aber aller Anschein nach fast wieder die einzigen Besucher…glücklicherweise hatte die kleine Bäckerei dennoch geöffnet und wir konnten uns ein paar süße Leckereien zum Frühstücken herausholen. Von Fläm aus Fährt auch die legendäre Fläm Railway in das 866 Meter hoch gelegene Dorf Myrdal. Mit einer Steigung von bis zu 18% gehört sie zu den steilsten Eisenbahnen der Welt, Cabble Cars ausgenommen. Bereits in 1923 begannen die Arbeiten an dieser 20 Kilometer langen Strecke, damals wurden noch 18 der 20 Tunnel in Handarbeit aus dem Berg gemeißelt. Erst in 1940 war das Meisterwerk vollbracht und die ersten Dampflokomotiven starteten mit dem Güterverkehr, ein Jahr später kam der Personenverkehr hinzu. Die hier fahrenden Lokomotiven waren allesamt Sonderanfertigungen und mit fünf separaten Bremssystemen ausgestattet. Noch immer fährt die Bahn mehrmals täglich die einstündige Strecke ab, auch wenn sie mittlerweile hauptsächlich Touristen, Wanderer und Mountainbiker zu ihren Gästen zählt.

Und jetzt auch uns 🙂 Die Fahrt, bei schönstem Sonnenschein, war ein absolutes Highlight, vor allem auch mit dem Hintergrundwissen, was es damals bedeutete diese Strecke mit Muskelkraft zu bauen. So gibt es beispielsweise in einem der Tunnel eine 180 Grad Kurve! Für viele Arbeiter war der Bau an einer solchen Eisenbahntrasse die einzige Alternative zur Auswanderung nach Amerika. Also…wir wären definitiv ausgewandert 🙂

Als wir nach zwei Stunden zurück in Flåm waren, beschlossen wir uns noch ein wenig die Beine zu vertreten, ehe wir unsere Fahrt fortsetzten. Glücklicherweise ist Flåm perfekt auf Touristen eingestellt und hat ein paar Wanderungen samt Karte für seine Besucher zusammengestellt. Der „Brekkefossen Waterfall“ Hike sollte es werden und so starteten wir auf einen, wie wir dachten, entspannten 2 Stündigen Spaziergang. Was in der Karte allerdings nicht explizit erwähnt wurde war, dass dieser Wasserfall recht hoch oben über Flam lag. So begann ein scheinbar unendliches und ziemlich steiles Steigen von Steinstufen…oh boy… aber auch hier belohnte die fantastische Aussicht natürlich am Ende wieder die Anstrengung.

Zurück bei Dorphine machten wir uns dann auf den Weg in Richtung Bergen. Leider gibt es in dieser Region Norwegens kein wirklich tolles Angebot an Wildcamping Spots in der freien Natur und unsere Suche nach einem geeigneten Übernachtungsspot entpuppte sich zu einer ziemlich nervigen Herausforderung….Als es bereits dunkel und wir auch ganz schön„hangry“ waren, gaben wir auf den perfekten Platz zu finden, stattdessen parkten wir auf einem unglamorousen Park & Ride Parkplatz… auch das gehört manchmal zum Freistehen dazu 🙂

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