The Real Van-Life

Ein Blick hinter die Kulissen eines Van-Life Sabbaticals und einige Antworten auf Fragen, die uns seit unserer Rückkehr immer wieder gestellt werden.

War euch denn gar nicht kalt im Bus?

Wir werden oft darauf angesprochen, dass es einem auf so manch einem Bild aus Skandinavien schon beim Zugucken kalt wurde. Ob uns denn gar nicht kalt gewesen sei? Aber ehe wir auf die Frage eingehen, erst noch einmal kurz zurück zum Anfang, denn eigentlich hatten wir ja geplant den März im bereits wärmeren Süden, genau genommen in Peleponnes, zu verbringen. Da wir für die Tour gen Griechenland durchaus auch mit kühleren Temperaturen in der Nacht gerechnet hatten, begleitete uns von Anbeginn der „Heiße Dieter“, ein mobiler, mit Gas betriebenen, Heizstrahler. Aber um nördliche Breitengrade, den Polarkreis und Temperaturen unterhalb 0 Grad haben wir uns da noch keine Gedanken gemacht. Demzufolge waren wir auch nur mit einer relativ dünnen, 1,40m x 2m, Sommerdecke ausgestattet. Als uns dann diverse Corona bedingten Grenzschließungen einen Strich durch die angestrebte Reiseroute machte und wir schlussendlich erst einmal nach Schweden aufbrachen, war es zwar deutlich kühler als eigentlich „geplant“, jedoch machte unsere Euphorie, Vorfreude und der „Heiße Dieter“ das ganz locker wett. Nach ein paar Wochen und nur noch wenigen Plusgraden gönnten wir uns schließlich doch auch eine dicke, muckelige Decke – hach was war das herrlich! Und damit war dann vorerst einmal der „Heiße Dieter“ quasi arbeitslos.

Richtig kalt wurde es dann gegen Ende der Reise noch einmal in Nord-Finnland und Norwegen, mit Minusgraden draußen und Sage und Schreibe nur noch 0 Grad morgens im Bus….brrr, wie ungemütlich, werden sicherlich so einige von euch jetzt denken. Jedoch härtet man auf so einer Tour doch auch ziemlich ab und der „Heiße Dieter“ wurde nur, zum akuten schnell mal aufwärmen, 2-3 erneut aus der Arbeitslosigkeit geholt. Einzig dass aufstehen am Morgen, wenn man unter der muckeligen, dicken und warmhaltenden Decke lag und seinen Atem in kleinen Wölkchen sehen konnte, hat teilweise etwas Überwindung gekostet. Aber nach ein paar Minuten Bewegung, es galt nämlich erst einmal die Feuchtigkeit aus Dorphine zu bekommen, und mit der richtigen Kleidung, ist das auch alles nur halb so wild.

Wurde es im Bus ohne Klimaanlage nicht zu heiß?

Neee 🙂 Während der Fahrt hatten wir immer die Fenster runtergekurbelt und genossen den frischen Fahrtwind beim Cruisen, eine Klimaanlage haben wir nicht ein einziges Mal vermisst. Und auch bei den heißen Temperaturen in Bulgarien war es meist dank einer frischen Meeresbriese, den Lüftungseinsätzen für die Fenster und Dorphines Hub-Dach samt Fenstern eigentlich nicht wirklich stickig oder zu heiß Nachts.

Die Sache mit dem Bettzeug

Morgens das Bett wieder umzubauen und das Bettzeug ordentlich durchzulüften hat sich zu einem allmorgendlichen Ritual für uns entwickelt… welches um das ein oder andere Mal auch mal etwas eskaliert ist :)…wir haben da mal etwas für euch festgehalten, schaut am besten einmal rein 🙂 :

Duschen und Sanitär beim Wildcampen

Bei längerem Wildcamping am Stück kam in den Sommermonaten früher oder später unsere Outdoor-Dusche zum Einsatz. Da wir mit der simplen Solar-Dusche (schwarzer PVC Beutel mit Schlauch und Duschkopf) irgendwie nicht so happy waren, fuhr seit Bulgarien dieser riesige Wasserkanister mit. Um zu Duschen überschütteten wir uns damit abwechselnd mit Wasser. Bei gutem Wetter glich das Duschen damit einer Wasserschlacht, bei kühlen dann eher der Ice-Bucket Challenge 😆

Als es dann wieder kälter wurde haben wir auch immer gerne mal Campingplätze nur zum Duschen angefahren oder auch in Schwimmbädern die Duschen genutzt. Mit Abstand am einfachsten war es übrigens in Estland eine Dusche für Wildcamper zu finden, da diese dort sogar auf Straßenschildern ausgewiesen wurden, am schwersten gestaltete sich die Suche dagegen in Finnland für uns. Teilt sehr gerne auch eure Tipps und Tricks rund ums Thema Duschen beim Vanlife mit uns!

Und wo wir gerade beim Wildcampen sind, das Zähneputzen unter freiem Himmel ist natürlich auch ein fester Bestandteil dessen. Auch hier ist das Wetter, aber auch die vor Ort herrschende Mückendichte entscheidend 🙂

Unterwegs Wäsche waschen

So ca. alle 3-4 Wochen neigten sich unser „frische“ oder besser gesagt „das ist doch noch gut :)“ Klamotten Bestand so langsam zur Neige und der Bedarf mal wieder zu waschen wurde größer. Oftmals war das ein Zeichen, doch mal wieder einen Campingplatz oder auch Hafen anzusteuern. Einzig in Estland wollten wir keine Wildcampingnacht Einbußen und sind deswegen in einem Waschcenter gelandet 🙂

Oftmals werden wir auch gefragt, wie wir denn alles mitbekommen haben und dass Dorphine ja ein wahres Platzwunder sein muss. Ja in der Tat, das ist sie 🙂 Aber wir haben uns auch mega auf’s Wesentliche reduziert und wirklich versucht auch wirklich nur das Notwendigste mitzunehmen.

Frisches Wasser

Ca. alle 7-10 Tage mussten wir auch wieder unseren Frischwassertank (satte 15l Inhalt 🙂 ja, auch hier haben wir uns sensationell reduzieren können )auffüllen, welches zugegebener Maßen wenn man wie wir viel wildcampt hat, auch durchaus spannend werden kann. Richtig super hat dieses in Rumänien und Bulgarien geklappt, da dort viele Häuser noch keinen Wasseranschluss haben, gibt es zahlreiche Brunnen und Quellen an denen die Einheimischen ihr frisches Wasser holen – ideal für Wildcamper und eine topp Wasserqualität! Am beschwerlichsten hat sich die Suche in den baltischen Ländern gestaltet. Zwar gibt es dort auch Brunnen, aber das Grundwasser hat meist einen üblen, fauligen Geruch und es wird sehr stark abgeraten dieses zum Kochen oder ähnlichem zu benutzen. Und so sind wir gezwungenermaßen dann auf Wasser aus dem Supermarkt umgestiegen.

Abwasch und Haushalt on Tour

Wo wir gerade beim Wasser sind, auch wenn wir noch so sparsam und spartanisch mit Geschirr umgegangen, früher oder später mussten wir natürlich auch irgendwie mal den Abwasch erledigen. Ohne Campingplatz hieß dies oftmals Wasser aus einem Brunnen oder See holen, eventuell kurz aufkochen und dann ran an den Schmutz. Einzig in Norwegen gab es an vielen Rastplätzen extra Heißwasser Speicher, Luxus pur 🙂 hinzugefügt sei an dieser Stelle, dass wir selbstverständlich immer nur rein biologisch abbaubares und somit umweltfreundliches Spüli verwendet haben.

Der Abwasch ist jedoch nicht das einzige Haushalts „To Do“ wenn man so auf Reisen ist, wie wir es waren. Zweimal täglich musste das Bett auf- bzw. abgebaut werden, wofür naturgemäß auf engem Bulli Raum auch vieles hin und her geräumt werden musste. Ausfegen, Dinge verstauen, die Feuchtigkeit in den kälteren Regionen wieder aus dem Wagen bekommen, und die Schränke nach jedem Einkauf wieder neu zu sortieren gehören auch zu einem Vanlife Haushalt. Also eigentlich gibt es genau wie Zuhause immer etwas zu tun 🙂 …und da gehört auch mal ein kleiner Wasserschaden eines ausgelaufen Kanisters dazu, der dann bei herauskommender Sonne getrocknet wurde 🙂

Die Camping Küche

Wir haben auf der Tour größtenteils selbst gekocht und dies trotz der damit verbunden Einschränkungen auch immer mit viel Freude und sehr gern getan. Einzig die Probleme mit unserem doch etwas zickigem Gaskocher, haben unsere Kocheuphorie gegen Ende der Reise etwas getrübt. Ja, auch Wintergas brennt bei Minustemperaturen nicht gut und leider sind auch die Gasleitungen des Kochers nach einer gewissen Zeit verunreinigt, und haben uns das Leben damit etwas schwer gemacht. Da hat irgendwann auch das durchpusten mit Druckluft an der Tankstelle nur mehr wenig geholfen.

Auf unserem Speiseplan standen je nach Land und Region sehr unterschiedliche Dinge. In Schweden haben wir uns sehr gerne Grüne oder Rote Curry’s gekocht, da hier regionales nicht sonderlich vertreten war und dafür die TK in den Supermärkten aber tippitoppi für Veggies ausgestattet sind. In Rumänien nutzten wir dafür umso mehr das mega leckere Gemüse, insbesondere die Tomaten von Straßenstände für Salate oder Bruschetta – soooo yummy! Zum Frühstück gab es überwiegend Haferflocken/Müsli und Früchte und als Snack zwischendurch gerne Sandwiches oder selbstgerollte Wraps auf die Hand. Und natürlich durfte auch das ultimative Camperessen nicht auf unserer Speisekarte fehlen: Pasta in allen Variationen…und die können so unzählig sein:)

Fun Fact: Meistens haben wir gleich für zwei Tage gekocht und dann in den kühleren Regionen den Topf über Nacht draußen auf Paulchen, unserem Heckträger, geparkt. Und es passierte ums ein oder andere Mal, dass wir den nur lose zwischen die Fahrräder geklemmten Topf, dort dann auch vergaßen… und so traten wir die ein oder andere Fahrt mit einem Kochtopf am Heck an und fuhren ihn auch kilometerweit spazieren. Aber glücklicherweise ist er nie runtergefallen 🙂

Wifi – Auf der Suche nach einer Connection

Vor der Tour hatten wir überlegt uns in den einzelnen Ländern vielleicht Sim Karten fürs Handy zu holen um surfen zu können, letztendlich haben wir es aber nie gemacht, weil wir gemerkt hatten, wie schön es eigentlich ist, auch mal nicht ständig erreichbar zu sein…Yay, unsere erste und positive digital Detoxin Erfahrung 🙂 Und obwohl wir den Blog beinahe täglich geschrieben haben (wofür wir jedoch nicht online sein mussten), gab es dann immer auch eine Möglichkeit, wenigsten nur für ein paar Minuten irgendwo online gehen zu können, um diesen dann kurz hochzuladen. Ob an Tankstellen, Fast Food Restaurants, Cafe’s oder auch einfach Supermärkten, irgendwie kommt man eigentlich immer in ein freies und nutzbares Netz. Gerade in den Baltischen und Skandinavischen Länder war es nie ein Problem den bereits zuvor geschriebenen Blog hochzuladen.

Was war frustrierend?

Am meisten tatsächlich schlechtes Wetter in Form von Regen. Denn nasse Klamotten in einem relativ kleinen Bus, wie Dorphine nun mal ist, wieder trocken zu bekommen, ist gar nicht so easy, vor allem wenn man die daraus noch zusätzlich entstehende Luftfeuchtigkeit im Wagen bedenkt. Prasselnder Regen auf Dorphine’s Dach in der Nacht ist dagegen sehr gemütlich, und auch ein verregneter Nachmittag hat uns überhaupt nicht gestört, aber tagelanger Regen muss wirklich nicht sein… Umso besser, dass wir den großen Luxus hatten unsere Route auch vom Wetter abhängig gestalten zu können und so auch mal Umwege gemacht haben, um einem Regengebiet auszuweichen. Und wir hatten tatsächlich maximal nur an sehr wenigen aufeinanderfolgenden, und dann nur über 2 Tage, in gesamt 6 Monate on Tour, mal Regen gehabt, wie geil ist das denn bitte?!

Was habt ihr besonders genossen?

Das ist eine wirklich lange Liste 🙂 Allem voran natürlich die Freiheit, einfach in den Tag hinein leben zu können und das zu tun und zu machen, wozu wir Lust und Laune hatten. Keine Termine oder Verpflichtungen zu haben, sich auch einfach treiben lassen zu können, ohne Agenda oder To Do’s. Die ganzen tollen Orte und Begegnungen die wir während unserer Reise hatten und auch der Luxus, jeden Tag woanders aufzuwachen und sein zu dürfen, war ebenfalls unbeschreiblich schön. Und selbstverständlich auch Dorphine, unser kleines, mobiles Zuhause! Wir haben uns pudelwohl in und mit ihr gefühlt und vermissen das Umherreisen mit ihr bereits sehr. Aber ganz bald werden hoffentlich auch die Reisebeschränkungen wieder Geschichte sein und wir können zu neuen kleinen und hoffentlich auch wieder großen Abenteuern aufbrechen!

4 Kommentare zu „The Real Van-Life

  1. Toll, im nachhinein noch so viel mehr zu erfahren, wie Ihr gelebt habt und die Tage verbracht habt. Ich habe NUR Erfahrung mit campen im Zelt. Allerdings waren da noch 2 Kinder mit. Mario, Du erinerst Dich bestimmt noch. Mich interessiert noch, wie Twiggy/Pupsi das alles so mitgemacht hat? LG, Muddi, Omi, Heidi <3

    1. Schön dass du auch noch immer unseren Blog liest, auch wenn wir diese Moment nur sehr sporadisch beleben. Und Twiggy bekommt selbstverständlich auch noch einen ganz eigenen Blogbeitrag 🙂 LG von uns 3en 😘

    1. Vielen lieben Dank für die schöne Rückmeldung Elisa, über so tolle Nachrichten freuen wir uns immer besonders :)!
      Ganz liebe Grüße von uns 3en, Mario, Sina und Twiggy zurück!

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