Tag 132: Ein Feen Hike inkl. Ninja Warrior Action

Wunderschöne Natur um uns herum, die Sonne schien und im Müsli wurden auch noch die Cranberries der eigenen Ernte des Vortages verarbeitet, viel besser konnte der Tag doch kaum starten ☺️

Da direkt von unserem Campingspot auch noch ein kleiner Hike Anschluss hatte, beschlossen wir diesen auch noch kurz mitzunehmen. Knappe vier Kilometer ging es durch den Wald und entlang des Sees an dem wir geparkt hatten. Außer einem gesplitterten Baum (wir fragten uns, ob da der Blitz eingeschlagen war ?) machten wir keine besonderen Entdeckungen, sondern genossen einfach nur den Morgenspaziergang in dieser schönen Umgebung 😊

Und wie ihr ja bereits wisst…nach dem Hike, ist vor dem Hike…und so hatten wir als Nächsten einen ganz besonderen ausgesucht, der sogenannte „Fairytrail“ oder auch Feen Rundgang. Laut der Beschreibung der ideale Spaziergang für Kinder oder „Erwachsene die nie erwachsen geworden waren“, das hört sich doch mal sowas von nach uns an – Attackeeee 🙂 Und tatsächlich hatten wir jede Menge Spaß auf diesen, wenn auch nur 1,4, Kilometern.

Als erstes kamen wir bei einem Hexenhäuschen vorbei, die kleine (als auch die große) Hexe waren sogar auch anwesend 🙂

Nachdem das kleine Hexenhäuschen unter die Lupe genommen wurde, mussten wir zu unserem großen Vergnügen na klar auch noch die im Vorgarten stehende Wippe mitnehmen. Matschige Schuhe hin oder her, der Spaß war definitiv auf unserer Seite.

Weiter entlang des Weges entdeckten wir den ein oder anderen kleinen Kobold und noch andere, liebevoll aus Holz geschnitzte Fabelwesen. Das Highlight kam jedoch erst gegen Ende des Rundganges, dort erwartete uns nämlich ein kompletter Hindernisparcour! Die Ninja Warriors waren bereit…Selbstgänger, dass wir diesen auch noch mitnehmen mussten, haach, herrrrlich! Auch der Spaß war komplett kostenlos und zudem super in Schuss, da kann sich Deutschland wirklich mal eine Scheibe abschneiden, wie wir finden.

Nach dem Spaß und der vielen frischen Luft kam in diesem Falle jedoch mal wieder etwas „Hausarbeit“ auf uns zu…es mussten mal wieder Wäsche gewaschen werden…ein guter Indikator dafür ist die Anzahl der noch verfügbaren Schlüpfer 😁…quasi der „Schlüpferindikator“ 😆 Da Tartu ja eine Universitätsstadt ist und folglich auch eine Vielzahl an Studenten dort leben, fuhren wir Tartu ein zweites Mal an, diesmal um in einem Waschsalon die Wäsche zu waschen. Klappte alles super, 2 Maschinen und knappe zwei Stunden später, waren wir wieder on the road um den auserkorenen Übernachtungsspot anzufahren…dieser sogenannte Waldparkplatz entpuppte sich jedoch als ein direkt an einer Schotterstraße liegender und wenig inspirierender Parkplatz. Der nächste sich gut anhörende RMK Wildcampingspot war jedoch knappe zwei Stunden entfernt… nützet ja Alles nichts, lag eh auch so ein bisschen auf unserer weiteren Route und so machten uns auf den Weg dorthin….oh Boy, was ein elendig langer und nicht endend wollender Schotterpisten- und Schlaglochritt, selbstverständlich bei schönstem Regenschein und Dunkelheit…huiii, das war mal ziemlich anstrengend. Als wir schlussendlich ankamen, freuten wir uns riesig auf unser Bettchen…und so hieß es dann nur noch…“gut‘s Nächtle“ 🙂

Tag 131: Cranberry Ernte und ein kleiner Wasserschaden

Was wäre ein Start in den Morgen bei schönstem Wetter in Estland ohne einen kleinen Hike? Ja, wir sind etwas vernarrt in die App mit den vielen coolen, kleinen und größeren Optionen für Spaziergänge. Heute sollte es mal wieder 5km durch eine Moorlandschaft gehen. Wusstet ihr, dass die Esten gerne Moorschuhlaufen gehen? Diese ähneln Schneeschuhen und ermöglichen so das sichere Spazierengehen übers Moor. Wir hatten zuvor noch nie von diesem „Sport“ gehört, finden ihn speziell, aber auf seine Weise auch irgendwie cool. Für uns beschränkte sich die Moorwanderung dann aber doch größtenteils auf die verlegten Holzbohlen.

Auf diesem Rundweg ist die Wahrscheinlich wilde Tiere zu sehen größer als auf anderen, da viele Tiere die Randgebiete des Moores für sich entdeckt haben. Neben Füchsen, Elchen und evtl. auch mal einem Wolf, besteht im Frühjahr, während der Blaubeerzeit, sogar die Chance mal auf Bären zu treffen. Leider blieb uns eine Sichtung einer dieser Waldbewohner verwehrt… irgendwie haben wir in der Hinsicht ähnlich wenig Glück wie beim Angeln 😆

Was wir jedoch in großen Mengen sahen, waren Cranberries. Diese wachsen ja auf dem Moor und haben, wie der Zufall es so will, Mitte September ihre volle Reife erreicht. Auf ging’s!Von den Holzbohlen aus begannen wir die kleinen, roten Beeren zu ernten. Später wurden wir auch etwas mutiger und wagten den einen oder anderen Schritt weiter ins Moor hinein, wobei der Boden tatsächlich ganz schon schwammig und dementsprechend auch feucht war. Am Ende hatten wir eine nicht zu verachtende, wenn auch eher kleine, Menge zusammen. Egal, wir freuten uns über unsere erste Ernte jedenfalls wie Bolle 😃

Da wir bis dato in Estland immer frei gestanden sind, eine warme Duschen jedoch auch mal wieder schön wäre, ging als nächstes die Suche nach einer solchen Möglichkeit los. Und bisher hat sich das eigentlich auch immer als recht unkompliziert dargestellt. Wir fanden einen kleineren Campingplatz, der laut den Kommentaren der „Park4Night“ App auch mit einer netten Gastro punkten konnte. Sogleich wurden wir sehr nett und fröhlich von Erik, der noch recht jungen Allroundkraft der Gastro, begrüßt. Da er nebst seines ‘89 Golf II auch einen T3 fährt, freute er sich riesig über unseren Besuch…endlich mal ne coole Karre vor der Hütte 🙂 Da auch gerade keine Gäste zu bewirten waren, hatte Erik Zeit und wir kamen ins Plaudern – echt ein mega netter und aufgeschlossener Typ! Auf unsere Frage, ob wir eventuell die Duschmöglichkeiten des Campingplatzes gegen Bezahlung nutzen dürften, bot er an, dass wir eines der Badezimmer der dazugehörigen kleinen Hotelanlage nutzen könnten. Wow, was für ein mega nettes Angebot, das wir na klar auch sofort freudig angenommen haben. Zurück bei Dorphine…oh nee nä…der 5l Frischwasserkanister, zum Nachfüllen unseres Frischwassertanks, war nicht 100% verschlossen und hat sich (zum Glück nur ein bisschen des Inhaltes) auf der Matratze entledigt….hmm…nützet ja nichts, also einmal alles raus, die Matratze samt Bezüge und Bettwäsche erst einmal in der Sonne, welche gerade erst wieder herausgekommen war, zum trocknen positioniert.

Glücklicherweise standen wir ja direkt neben dem kleinen, liebevoll geführten Restaurant und so haben wir die Zeit zum Trocknen der Sachen, mit ein paar Snacks überbrückt. Und Dank Eriks perfekten Englisch haben wir uns mehrere der nur wenigen vegetarische Speisen von der Karte bestellt. Die ältere Dame in der Küche kochte alles selbst und dementsprechend lecker schmeckte es auch. Also vor allem die Fischsuppe nebst des gebackenem Brotes war vorzüglich 😋 Erik war sogar noch so super nett und bot uns sein Handy WiFi als Hotspot an, damit wir nebenbei noch etwas im Netz surfen konnten. Wie sollen wir es sagen…is ja ganz einfach, es war mal wieder eine weitere mega nette Begegnung! Und welche vielleicht auch nicht die Letzte sein wird… Erik lebt ursprünglich in Finnland (Lappland), wo er Anfang Oktober auch wieder sein wird. Dort unternimmt er u.a. als Tourguide Schneemobiltouren🤘🏼und so hat er uns eingeladen doch mal vorbeizuschauen, falls es noch auf unserer Route liegen sollte😃

Als alles weitestgehend wieder getrocknet war, wir uns gut und lecker gestärkt hatten, verabschiedeten wir uns von Erik und machten uns auf den Weg zur nächsten, wie sollte es auch anders sein🙂, RMK Campingsite. Yay, wieder einmal fanden wir einen Traum Wildcampingspot! Spitze ausgestattet und direkt an einem See gelegen, hatten wir diesen auch komplett für uns alleine – Yiepiehh! Holz gab es auch wieder zur Genüge und so machte Mario sich sogleich daran ein paar der Scheite zu spalten, was für Sina, als sie es auch einmal versuchte, ein ganz schöner Kraftakt war. Jedoch kurze Zeit später loderten schon die ersten Flammen unseres Lagerfeuers. Leider fing es schon wenige Minuten nachdem wir uns am Feuer gemütlich gemacht hatten, leicht an zu regnen. Da Dorphine jedoch strategisch gut und nah zum Lagerfeuer geparkt war, verlagerten wir ganz einfach unseren Platz in den Bulli und konnten somit das Lagerfeuer weiterhin aus dem Seitenfenster heraus genießen – hach wie heimelig🤗!

Tag 130: Nun kommst Du, Tartu

Die Universitätsstadt Tartu, mit einem dementsprechend hohen Anteil an Studenten, liegt im Osten Estlands und ist trotz ihrer nur knapp 100,000 Einwohner die zweitgrößte Stadt Estlands und zudem auch noch die Partnerstadt von Lüneburg 🙃 Soweit nur ein paar wenige Eckdaten 🙂 Wieder einmal gut mit Müsli gestärkt starteten wir unseren Stadtbummel am Rathausplatz und gingen von dort durch kleinen Straßen und Gassen bis zur Universität. Das Hauptgebäude der Universität von Tartu liegt auf dem Domberg, von welchem man direkt auf die Altstadt blickt. Da jedoch Samstag, was das sehr schön angelegte Gelände ringsum die Uni jedoch recht verlassen, einzig ein paar Gassigänger spazierten mit uns durch den Park.

Nachdem wir uns ausreichend auf dem Domberg umgeschaut hatten, kehrten wir in dem kleinen Café „Krempel“ ein. Echt ein muckeliges Plätzchen und entspannter Ort um mal wieder Strom für Laptop und Tony (die Musikbox) anzuzapfen und diese zu Laden, während man leckere Heißgetränke schlürft.

Als sich dann schließlich auch der altbekannte kleine Hunger meldete, bestellten wir eine Portion Oatmeal für Mario und einmal eines der estnische Nationalgerichte, Namens „Kama“, für Sina. Kama, eine aus Weizenmehl angedickte, kalte Milchsuppe mit Mohn und Honig vermengt, manchmal auch mit Beeren serviert, ist ein beliebtes Frühstücksgericht. Soweit, so gut. Als wir nach fast einer Stunde noch immer auf unser doch eigentlich recht simples Essen warteten, fragte Mario mal nach, ob sie uns eventuell vergessen hätten. Und tatsächlich, der Zettel mit unserer Order war verloren gegangen. Als kleine Entschuldigung durften wir uns jeweils einen Drink aufs Haus aussuchen… mega nett, wie wir fanden, und kurze Zeit später kam dann auch unsere Snacks. Die „Kama“ kam übrigens nicht so dolle bei Sina an… aber trotzdem schön dieses typische estländische Gericht zumindest einmal probiert zu haben 🙃

Nach der kleinen Stärkung ging die Stadterkundung in seine zweite Runde. Nun spazierten wir, in der City erst noch an der Promenade, später dann auf dem Spazierweg, entlang des Flusses. Ein paar sehr gut ausgestattete Angler entlang des Weges holten im Minutentakt Fische aus dem Fluss …fast wie wir in Schweden 😆 (aber was für ein High End Equipment hatten die denn bitte am Start??) Aber mit diesen Ruten (die waren ungelogen bestimmt 6m! lang) können unsere auch einfach nicht mithalten… das is‘ doch mal ne Angel!

Wir entdeckten auch noch jede Menge Streetart auf dem Weg und knipsten mal wieder fleißig. Um den perfekten Schnappschuss weiter oben liegend zu ergattern, versuchte Mario sich sogar als Fassadenkletterer ☺️ wie sich herausstellte sind „Vans off the Wall“ nicht die perfekten Schuhe um „on the Wall“ zu bleiben 🙃

Nachdem wir Tartu den Rücken gekehrt hatten, fuhren wir wieder, wie sollte es auch anders sein, eine RMK Campsite an…RMK wie wunderbar 😃 Die Erste war mit zwei anderen Campern (da merkt man dann doch ein bisschen das WE) quasi schon „überfüllt“, weswegen wir lieber noch ein Stückchen weiter fuhren. Bei der Nächsten wurden wir dann fündig, außer uns und dem einen oder anderen Pilzsammler war weit und breit niemand zu sehen – ja, ja, wir sind mittlerweile doch ziemlich verwöhnte Wildcamper 🙃

Tag 129: Der Nature-Pur Hike

Da das verbliebene, saubere Geschirr so langsam knapp wurde, startete der Tag mit einer richtigen Wildcamping Geschirrspül-Aktion. Das ist alles nicht so einfach wie daheim, mit Geschirrspüler auf, Geschirr rein und Knopf drücken, ne, ne, ne. Zunächst machten sich Mario und Twiggy auf den Weg zum nächsten Brunnen, wo noch per Hand das Wasser aus der Tiefe hochgepumpt werden musste. Und da auch in Estland die Wasserqualität etwas zu wünschen übrig lässt, und es sich mit warmen Wasser sowieso viel besser abspült, haben wir das Spülwasser kurz aufgekocht. Dann konnte es endlich losgehen, mit Biologisch abbaubaren Spülmittel, versteht sich ja von selbst😉.

Nachdem dieses „To Do“ erledigt war, wollten wir etwas Bewegung haben und machten eine kleinen Spaziergagng entlang des Sees Peipsi Jürv. Nur wenige Meter von unserem Übernachtungsplatz im Wald entfernt erstreckte sich das kilometerlange Ufer mit tollstem Sandstrand entlang dieses riesigen Sees. Und wenn man es nicht besser wüsste, würde man meinen, man sei an der Ost- oder gar Nordsee, oder was meint ihr? Wir zumindest haben noch nie so einen Sandstrand, nebst dieser Begrünung, an einem See gesehen.

Im Anschluss dessen wollten wir das schöne Wetter dazu nutzen, weitere RMK Hiking Trails zu unternehmen. Der Ersten den wir uns aussuchten war auch gar nicht weit entfernt und lag ebenfalls am Ufer des Peipsi Jürv. Gesamt knappe 9 Kilometer ging es erst einmal durch einen Fichtenwald und dann entlang des Sandstrandes am See wieder zurück. An diesem Abschnitt betreibt RMK eine seiner größten Camping Site in Estland mit Sage und Schreibe 150 Plätze für Camper, alle mit Feuerstellen, Bänken etc., ausgestattet. Kommentare in der App sagen, dass der Platz in der Sommersaison auch tatsächlich voll war, was bei dieser tollen Lage auch nicht sonderlich verwundert. Jetzt bereits in der Nachsaison angekommen, standen jedoch nur zwei einsame Wohnmobile entlang des riesigen Gebietes.

Da wir in Estland mittlerweile nach dem Motto „nach dem Hike ist vor dem Hike“ leben, machten wir uns auch gleich wieder auf zum nächsten Trail. Dieser etwa 3km lange Rundgang sollte eine kleine Landzunge des Kaiu Sees umrunden. Hörte sich richtig gut an und auch hier wiesen Holzbohlen den Weg durch die zunächst schilfrige Landschaft. Die Überraschung kam kurz nach dem Betreten der Bretter, denn allem Anschein nach hatte der Boden das Regenwasser der letzten Tage oder Wochen nicht mehr aufnehmen können. Nach nur ein paar Metern entlang des Weges, sanken die Bretter ab und man stand mit den Füßen im kalten Nass. Nützet ja nichts, also Hose hochkrempeln und die 600m durch das Wasser, auf den teils doch ziemlich rutschigen Holzbohlen, warten. Definitiv mal ein etwas anderes Hike Erlebnis 🙃

Auf der anderen Seite angekommen, ging der Trail ähnlich abenteuerlich weiter. Über umgestürzte Bäume und Wurzelwerk kletternd, kamen wir langsam aber sicher voran. Mittlerweile fragten wir uns, ob diesen Trail in letzter Zeit überhaupt noch irgendjemand genutzt hatte? Sah zumindest nicht so aus und so naturnah und einsam waren wir zumindest bis jetzt auf noch keinem Hike gewesen. Und das Beste sollte für uns erst noch kommen…denn wir entdeckten krass viele Spuren von Bibern an Bäumen oder was davon noch übrig war. Wow, an was für dicken Dingern die sich teilweise zu schaffen machen, Respekt Herr Biber! Leider wurde uns eine Sichtung der Nager wieder verwehrt, aber auch so war dieser Hike in unseren Augen schon ein echt coole Sache.

Auf dem Rückweg über die versinkenden Holzbohlen begann dann das große Krabbeln. Bei Mario hatte sich etwas, im ersten Verdacht noch eine Spinne, vom Nacken unter Shirt gearbeitet, doch beim Versuch diese zu entfernen stellten wir fest, dass dieses Etwas eine ziemlich riesige Zecke war 😬 – Uuh ooh – So große Biester hatten wir in Deutschland definitiv noch nie gesehen, aber irgendwie auch kein Wunder, so wie wir zuvor durch die unberührte Natur geklettert und gekrochen sind. Am anderen Ufer wieder angekommen, nahmen wir einen sofortigen Zeckencheck vor…also erstmal runter mit dem Fummel… und siehe da, es kamen noch mehr von den Biestern zum Vorschein… uugh…die waren mal zornig! Die einzige die tatsächlich (vermutlich dank ihres alle 4 Wochen aufgetragenen Zeckenschutzes) verschont blieb, war Twiggy. Wobei wir glücklicherweise auch noch alle fanden, ehe sie sich in uns verbissen haben – uijuijui, das ging ja grad nochmal gut!

Zurück bei Dorphine machten wir uns auf den Weg in Richtung der Universitätsstadt Tartu. Und da es mittlerweile schon spät am Nachmittag war, fuhren wir die Stadt zwar noch an, wollten uns diese jedoch für den nächsten Tag aufheben. Wir fanden einen netten Parkplatz in einer Kehre liegend als Übernachtungsspot direkt am Fluss Emajögi gelegen, an welchem wir entspannt den Tag ausklingen ließen und das Treiben der Menschen noch etwas beobachteten ☺️

Tag 128: Trakking Day und ein Werkstattbesuch

Wenn im Sabbatical um sechs Uhr morgens der Wecker klingelt, kann das nur eines bedeuten; ein toller Hike wartet auf uns! Und genauso war es, nur dass wir diesmal den Wecker nicht so früh gestellt hatten, weil wir vor den anderen Besuchern am Start sein wollten, sondern um einem tollen Naturschauspiel beizuwohnen. Der erste Hike des Tages sollte nämlich durch das Hochmoor im Lahemaa Nationalpark führen, welches in den frühen Morgenstunden oft noch in Nebel gehüllt ist und dann besonders mystisch daherkommen soll. Das tolle zudem war, dass wir direkt von dem RMK Campingspot aus zu Fuß auf den Weg dorthin machen konnten, da der Startpunkt des 6km Rundgangs durchs Moor, nur ein paar Minuten entfernt lag.

Leider hatten wir nur etwas Pech, denn von Nebel war diesen Morgen weit und breit keine Spur zu sehen. Dafür hatten wir jedoch das Moor und den Trail um diese Uhrzeit komplett für uns alleine, und schon nur dafür hatte sich das frühe aufstehen bereits gelohnt ☺️ So marschierten wir über die im gesamten Moor verlegten Holzpfade, und genossen die Stille und die tolle Natur um uns herum. Und wie farbenfroh ein Moor doch ist…sehr hübsch – ein schöner Morgenspaziergang 🙂

Zurück bei Dorphine meldete sich nach so viel frischer Morgenluft und Bewegung so langsam aber sicher auch der kleine Frühstückshunger… was könnte es da besseres geben, als einen leckeren Haferflocken-Yoghurt-Früchte Mix, um für die nächsten geplanten Hikes des Tages Fit zu sein?! Und da wir mit den meisten Fertigmischungen irgendwie nicht so viel anfangen können, mixen wir uns mittlerweile unsere Müslimischung selbst zusammen – das schmeckt uns und ist auch noch gesund ☺️

Der nächste Hike des Tages war eigentlich der relativ kurze „Beaver Hike“, jedoch standen auf dessen Parkplatz bereits zwei Reisebusse, weswegen wir diesen erst einmal ausließen. Denn ein paar Kilometer weiter wartet bereits schon der nächsten Hike auf uns, 3 Kilometer weit ging es zunächst durch Wald und danach noch ein Stück an der Ostsee entlang. Ein altes Fischerdörfchen stand auch noch am Wegesrand… alles in einem ein sehr schöner Spaziergang.

Und dann war der „Beaver Hike“ doch noch fällig, der Parkplatz menschenleer und auch der zwischenzeitlich eingesetzte Regen hatte fast aufgehört. Zunächst gingen wir aber nicht den Beaver Hike, sondern schlugen eine komplett andere Richtung ein… Navigationsfail von Sina oder aber einfach auch der Tatsache geschuldet, dass der Hike etwas unzureichend ausgeschildert war 😆 Nachdem wir über einen Kilometer in die falsche Richtung marschiert waren, kam uns das doch komisch vor, wir machten Kehrt marsch und versuchten unser Glück erneut. Diesmal landeten wir auch auf dem richtigen Trail, aber leider blieb uns eine Bieber Sichtung verwehrt. Dafür entdeckten wir ein paar Spuren der nagefreudigen Kameraden.

Da das Wetter nicht mehr so richtig mitspielen wollte und wir unbedingt auch noch ein wichtiges „To Do“ erledigen wollten, verließen wir den Nationalpark nach diesem dritten und somit letzten Hike des Tages. Denn das „To Do“ schoben wir bereits etwas länger vor uns her…. Dorphine hatte bereits seit Anbeginn der Reise schon immer mehr Luft an dem rechten, hinteren Reifen verloren als an den anderen…Anfangs alles noch im vertretbaren Rahmen, jedoch wurde es zuletzt immer extremer, soweit bis das binnen eines Tages der Reifendruck von 3bar auf nur noch knapp über 1bar abfiel. Dank eines mobilen 12V Kompressors und immer wiederfolgenden Tankstellen Stops, hatten wir uns vorerst noch ganz gut behelfen können, jedoch war das na klar unter den Umständen keine Lösung auf Dauer. Und bei dem Wetter… also, auf zum nächsten Reifenservice!

Wir hatten Glück und erblickten einen nach kurzer Zeit im Vorüberfahren. Zack, angehalten, rein, Problem kurz erläutert und schwuppdiwupp konnten wir auch gleich in eines der freien Tore hineinfahren. Und mit Marek hatten wir zudem auch noch einen erfahrenen, englischsprachigen Mechaniker an der Seite. Das fing doch schon mal gut an 🙂

Unsere Hoffnung war, dass evtl. nur das Ventil kaputt sei… schlussendlich haben die Reifen zwar jetzt knappe 22.000km runter, sind aber auch erst 5 Monate alt,… jedoch bewahrheitete sich der Ventilverdacht leider nicht. Der Reifen wies tatsächlich mehrere feine Risse im Profil der Innenseite auf …viel zu viele davon und daher leider nicht reparabel, so ein Mist! Wir hatten zwar auch einen Ersatzreifen dabei, jedoch in einer völlig anderen Rad/Reifen Kombination…wirklich nur für den äußersten Notfall gedacht…also für langfristig auch keine Option. Und die mittlerweile rar gewordene Reifendimension (225/60 – 16) bereitete Marek zusätzlich sorgen, denn die hatten sie definitiv nicht auf Lager. So war die letzte Chance einen gebrauchten aufzuziehen, sofern sich einer auftuen sollte…und so ging die Suche nach einem Gebrauchten los…Marek spannte noch einen Kollegen zum Suchen mit ein…da half nur noch Daumen drücken.

Während die Jungs auf der Suche nach Ersatz waren, nutzte Mario die Wartezeit sogleich sinnvoll und schaute einmal in die hintere Trommelbremse, welche auch schon seit längerer Zeit immer wieder mal etwas herumzickte, genauer an. Und siehe da, ähnlich wie bereits auf der linken hinteren Seite (in Schweden war der Federmechanismus der Feststellbremse gebrochen), war auch hier nicht mehr alles so, wie im Sinne des Erfinders…eine der Federn war abgesprungen und hatte sich in einer anderen verhakt.

Schnell eine Zange geholt, die verhakten Federn von einander befreit, Öse etwas nachgebogen und die Verhakte wieder dort eingehängt, wo sie ihre eigentliche Bestimmung hat😁

Und Marek hatte auch noch gute Neuigkeiten für uns, sie hatte tatsächlich einen einigermaßen guten, gebrauchten Reifen (zwar anderer Hersteller, jedoch in der selben Dimensionierung) gefunden 😃 Puuh… wieder einmal Glück gehabt. Fluxs hatte Marek den neuen “Alten” Reifen auf die Felge gezogen und gewuchtet … Spannend für Sina so etwas mal live und aus nächster Nähe zu sehen…die Auswuchtmaschine ist ja echt ne Wucht 😉

Am Ende des Besuches war Mario dann vollends in die Werkstatt integriert 🙃…und jetzt kommt das Beste…(Tusch wird eingespielt) der ganze Spaß kostete uns nur Sage und Schreibe 15€!!!… boah wie geil günstig ist das denn büdde! Und was für ne coole, spontane und hilfsbereite Werkstatt-Truppe, das gilt ganz im besonderen Marek! An dieser Stelle sei jetzt noch einmal erwähnt, dass ganz egal in welchem Land wir auch Probleme mit Dorphine hatten, wir immer auf mega hilfsbereite und sehr freundliche Menschen gestoßen sind!!! Wir sind der Meinung das kann man gar nicht oft genug erwähnen, denn das ist sowas von „sensationell toll und spitze“(Applaus wird eingespielt) 👏🏼😊

Und so rollten wir happy mit frisch bereifter Dorphine aus dem Tor und weiter ging’s dann bereits in Richtung der russischen Grenze. Denn unser nächste Zwischenstopp sollte die Stadt Narwa werden. Die Stadt wird von dem gleichnamigen Fluss von Russland getrennt und auf beiden Seiten direkt an den Flussufern, stehen imposante Festungen als stille Zeugen der hier stattgefunden territorialen Kämpfe. Die Grenze ist im allgemeinen, vielleicht gerade aktuell umso mehr, im Hinblick auf die sich immer mehr zuspitzenden Spannungen wegen Belarus, bewacht…wir hoffen sehr, dass es dort ein friedliches, demokratisches Ende findet.

Ansonsten hinterließ die Stadt Narwa keinen sonderlich einladend Eindruck bei uns, weswegen wir nach einem kurzen Spaziergang entlang des Grenzflusses auch beschlossen weiterzufahren. Schlussendlich wurden wir am nördlichen Ufer des riesigen „Peipsi Jürv“ Binnensees für unser Nachtquartier, na klar wieder auf einem RMK Campingspot, fündig.

Tag 127: Darf‘s noch etwas Tallinn Nachschlag sein?

Ja unbedingt, Bitte 2 mal! … Wisst ihr noch der Parkplatz in direkter Nähe zur Altstadt, von dem wir euch berichtet haben? Spontan entschieden wir – frei dem Motto: „Wenn man schon für 24 Stunden (3,50€ – das echt ma nen Schnapper) bezahlt, sollte man diese auch nutzen“ 🙃 – hier zu übernachten. Trotz dessen nicht nur die Strecke der Strassenbahn gleich entlang des Parkplatzgeländes führte, sondern auch eine gut frequentierte Straße um uns herum kreiste, so war es in der Nacht doch schön ruhig und wir konnten wunderbar schlafen 😊

Und da wir ja noch Tallin Nachschlag wollten, fuhren wir am nächsten Morgen nochmals einen anderen Parkplatz an. Dieser jedoch bereits näher am Hafen und der Hafencity gelegen. Auch hier parkte man wieder mega günstig – von den Kosten her (4€/24h), als auch im strategischen Sinne. Die Klappeseln an den Zügeln gepackt, machten wir uns auf den Weg, die um den Hafen liegende Umgebung etwas genauer zu erkunden…

Zu allererst sei erst einmal der mega toll ausgebaute, kilometerlange Fahrrad- und Joggingtrail entlang an der Uferpromenade zu erwähnen, der ist super klasse!! Und sind es nicht genau auch diese Dinge, die eine bereits weltoffene, urbane, tolle, abwechslungsreiche und liebenswerte Stadt, noch lebenswerter macht?! Unsere Meinung: ABSOLUT!!!

Da wir den Morgen ohne Frühstück gestartet waren, wir so langsam aber sicher „hangry“ 😬wurden, in den Hafenrandgebieten jedoch nicht so richtig fündig wurden, führte unser Weg doch wieder in Richtung Altstadt. Wir fanden schließlich ein klitzekleines und unscheinbar auf einem Parkplatz, direkt vor der alten Stadtmauer, liegendes, schnuckeliges Café . Und boah, was für ein Glücksgriff! Sowohl der Kaffee, als auch die Pesto Toasts (das Pesto wurde sogar erst dann, frisch im Mixer, zubereitet!) waren richtig yummy!

Danach statteten wir dem Turg Markt einen erneuten Besuch ab, und trafen auch prompt den Distillery Besitzer vom Vortag wieder…man kennt sich halt in der City 😁

Wir schlenderten über den Markt und kauften unter anderem frische Pfifferlinge, ein mega leckeres Sauerteig Brot (da soll nochmal jemand sagen, die Esten könnten kein Brot backen), Eier und ein paar Fischfrikadellen. Wir freuen uns immer wieder, dass wir die Möglichkeit haben selbst zu kochen und damit auch so tolle Märkte wie diesen richtig nutzen können.

Am späten Nachmittag hieß es dann vorerst einmal „Auf Wiedersehen“ Tallinn!!! (da geht noch was…stay tuned😉) Und wir nahmen Kurs auf unseres nächstes Ziel, den Lahemaa Nationalpark. Und auch hier fanden wir, dank der RMK App, wieder einen schönen Wildcampingspot mitten im Wald des Nationalparks. Dorphine kaum abgestellt, machten wir uns sogleich daran die Pfifferlinge mit Rührei zu braten – das zusammen mit dem yummy Sauerteigbrot – so legga😋!

Tag 126: Tallinn gibt dem Leben einen „geilen“ Gin

Da wir schon so viel tolles über Tallinn gehört hatten, war unsere Vorfreude besonders groß als wir die estnische Hauptstadt nun selbst für uns erkunden konnten. Für unschlagbare 3,50€ /24 Stunden parkten wir in unmittelbarer Nähe zur Altstadt und machten uns zu Fuß auf den Weg diese zu erkunden. Danke an unseren lieben Kollegen Gunnar für den Tipp die Klappräder lieber nicht mitzunehmen, das Kopfsteinpflaster in der Altstadt wäre in der Tat nicht ganz so geil für Twiggy gewesen 🙂

Als erstes machten wir uns auf zum Domberg und die dort befindliche Aussichtsterrasse Kohtuotsa. Von dort hat man nicht nur einen phantastischen Blick auf die Altstadt, sondern kann bis auf den Fährhafen schauen. Na klar zückten wir auch unserer Handykameras und snipten ein paar Eindrücke von dort oben 🙂

Nachdem wir uns in diesem höher gelegenen Teil der Altstadt mitsamt seiner Diplomatischen Vertretungen ungesehen hatten, schlug der kleine Hunger wieder einmal zu…doch auch hier hatten wir, dank Gunnar :), eine spitzen Hunger-Geheimwaffe inmitten einer kleinen Seitenstraße der Altstadt am Start – das Pfannkuchen Restaurant „Kompressor“ – Echt ein mega Tipp Gunnar! Wir teilten uns einen deftigen und einen süßen Pfannkuchen und beide waren vorzüglich 😋

Gut gestärkt ging’s es sodann zur eigentlichen Erkundung der Altstadt auf! Diese liegt hinter einer hohen, und zum großen Teil noch intakten Stadtmauer. Der Bau dieser wurde schon im 13. Jahrhundert begonnen und machte Tallinn damit bereits im Mittelalter zu einer der best geschützten Ostsee-Städte – hört, hört – aber mehr zur Stadtmauer später. Zunächst durchkämmten wir die vielen kleinen Sträßchen und ließen uns von dem Flair der vielen pastellfarbenen Häusern und der tollen Atmosphäre verzaubern. Man weiß gar nicht was man sich zuerst anschauen, geschweige denn fotografieren soll, so viele tolle Ecken und Gassen gibt es dort zu sehen. Und dann hatten wir auch noch das Glück am 1. September, der 1. Schultag nach den langen Sommerferien, hier zu sein. Denn überall waren ganz stolze Kinder und Jugendliche in ihren Schuluniformen, samt Kappe, unterwegs und feierten ausgelassen den Schulstart…wirklich drollig anzusehen die Kleinen und das Treiben ☺️

Und jetzt noch einmal kurz auf die Stadtmauer zurückgekommen, da mussten wir selbstverständlich auch noch einmal hoch. Für 3€ / Person kann man sich die schmalen Treppen hocharbeiten und dann ein wenig darauf spazieren gehen. Ein „Touri-Must-Do“, der wir in unserer Tallinn-Euphorie zum Opfer fielen…Kann man machen, muss man aber eigentlich auch nicht, von unten ist’s auch schon super anzusehen 🙂

Was man aber schon machen sollte, ist sich den Stadtteil Kalamaja genauer anzuschauen. Wir schlenderten zunächst über das Gelände des Turg Marktes, der neben frischem Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch auch eine Vielzahl von Essensständen und anderen Krimskrams bietet. Echt ein cooles Angebot, und gerade auch der Aussenbereich lohnt zu erkunden, denn hier verstecken sich noch weitere kleine Gastro’s in einer coolen Umgebung.

Und wiederum gleich angrenzend an dieses Gebiet, liegt das sogenannte „Creativity Lab“, eine Ansammlung hipper Läden und cooler Streetart. Jausa, das ist ja mal genau unser Ding! Und da Bilder mehr als tausend Worte sagen, haben wir auch wieder ordentlich gesnipped:

Eine Gin Destillerie inklusive Bar war uns bereits beim ersten Mal vorübergehen aufgefallen und als wir erneut daran vorbeikamen, sprach uns vor dem Eingang stehend ein netter Typ an, ob wir nicht mal nen geilen Gin trinken wollen? Geiler Gin? Na klar, da kamen wir doch mal sogleich ins Gespräch, und im Laufe dieses stellte sich der nette Kerl auch noch als Besitzer des Ganzen heraus. Die Distillerie gibt es erst seit 18 Monaten, doch in dieser kurzen Zeit haben sie bereits massig Preise für ihre Gins eingeheimst und sogar gleich in beiden Jahren Gold in dem „Worldcup der Gin’s“ geholt – Hut ab, das mal ne fette Leistung! Na klar mussten wir den Winner Gin auch probieren! Und in der Tat, er hatte wirklich nicht zu viel versprochen, der Gin-Tonic schmeckte einfach…wie sollen wir’s sagen…sehr geil!!!… dazu noch das Ambiente und die späte Nachmittagssonne: Life is so so good to us! Zum Abschluss musste natürlich auch noch gleich eine Buddel als Erinnerung an Tallinn und diesen chilligen Stopp mitgenommen werden…wir freuen uns jetzt schon wie Bolle, den irgendwann mit dieser tollen Erinnerung genüsslich zu schlürfen 🙂

Die vegetarische Küche hat Estland, und gerade auch das moderne Tallinn, unseres Wissens noch nicht wirklich erreicht. Viele der angebotenen Gerichte, waren dann doch fleischlastig und Alternativen dazu eher gering. Deswegen brauchten wir auch ein wenig Zeit, um einen passenden Spot fürs Abendessen zu finden. Letztendlich landeten wir wieder direkt im Turk Markt, an einem der Essenstände. Dort gab es auch einen vegetarischen Fast Food Stand…Beyond-Meat Wraps, dazu Süßkartoffel Fries – baam, genau das Richtige nach einem ganzen Tag bummeln durch Tallinn mit nicht wenigen Kilometern 🙂

Tag 125: Ade du kleines, liebenswürdiges Hiiumaa – Next Stop: Tallinn

Und wieder wachten wir mit einer traumhaften Aussicht auf und starteten den Tag damit, diese in aller Ruhe beim Frühstück im Bett zu genießen… hach wie herrlich ☺️

Bevor wir Hiiumaa verließen, machten wir noch einen letzten Stopp am Leuchtturm von Tahkuna. Ja, dieses kleine Hiiumaa hat ganz schön viele Leuchttürme 🙃 Aber diesmal legten wir den Stop nicht des Leuchtturms wegens ein, sondern um einem Denkmal, welches für die Opfer der Fährkatastrophe „Estonia“ errichtet wurde, zu besuchen. Viele werden sich sicherlich noch erinnern…die Estonia war 1994 auf dem Weg von Tallinn nach Stockholm bei einem schweren Sturm gesunken und hat 852 Menschen das Leben gekostet. Damals hatte die Bugklappe den 10 Meter hohen Wellen nicht standgehalten und war bei voller Fahrt abgebrochen, was dazu führte dass das 155m lange Schiff binnen einer Viertelstunde vom Radar verschwand, eine viel zu kurze Zeitspanne für die meist schlafenden Passagieren sich zu retten.

Der Ort an dem dieses Denkmal errichtet wurde, ist hier gewählt worden, da dieses der nächste auf estnischer Seite zu der Unglücksstelle des versunken Schiffes ist. Ein besonderes Anliegen dieses Males war es, den gestorbenen Kindern der Katastrophe zu Gedenken. Bei schwerem Sturm, wie er in der Nacht des 28.9.1994 herrschte, läutet die schwere Glocke von alleine um den Opfern zu gedenken. Was muss das für ein gespenstisches und Gänsehaut erzeugendes Schauspiel sein. Wir sind zutiefst beeindruckt von diesem Denkmal und finden es zudem sehr gelungen umgesetzt!

Und nun hieß es langsam „Good bye“ sagen von dieser tollen, kleinen Insel Ostseeinsel, die wir mega chillig fanden und zum Entschleunigen wärmstens empfehlen können! Als nächstes wartete dann die Fähre zurück aufs estnische Festland auf uns. Da wir etwas zu früh am Start waren und der Ticketschalter noch nicht wieder besetzt war, kauften wir das Ticket, vor der verschlossenen Schranke stehend, online. Nur wenige Sekunden nachdem die Transaktion online abgeschlossen war, erkannte die Kamera bereits unser Kennzeichen und öffnete die Schranke automatisch. Das ging mal Pfeilschnell! Wenn man da an das Theater am Ticketautomaten für den Syltshuttle denkt… himmelweiter Unterschied und mal wieder ein Paradebeispiel wie viel weiter die baltischen Länder in Sachen Digitalisierung bereits sind.

Nach 75 Minuten Fahrzeit machte die Fähre in Rohuküla fest und wir nahmen Kurs auf Estlands Hauptstadt Tallinn. Da es jedoch schon etwas später war wollten wir nicht mehr in die Stadt hinein fahren und suchten uns stattdessen wieder einen schönen RMK Campingspot aus. Wow! Wir können diese Plätze und die App wirklich nicht genügend loben und auch weiterempfehlen! Am Abend zog dann noch ne ganz gut steife Prise auf, und Dorphine so nah an der Küste stehend, wurde immer wieder kräftig durchgeschüttelt. Dazu das Rauschen der nur wenige Meter entfernten Ostsee … also mal ehrlich, viel muggeliger gehts doch kaum noch, oder?☺️

Tag 123 & 124: Die Insel Hiiumaa

Das nächste Ziel auf unserer Reise sollte die kleinere und nördlich von Saaremaa liegende Schwesterinsel Hiiumaa werden. Perfekt, dass es eine Fährverbindung zwischen den beiden Inseln gibt, nicht ganz so perfekt jedoch wenn man sich wie wir vorher nicht informiert und erst beim Fähranleger herausfindet, dass die Fähre nur zweimal am Tag, morgens und abends, fährt 😆 So gewannen wir einen zusätzlichen sieben stündigen Aufenthalt auf Saaremaa. Hmm… genügend Zeit um mal wieder die Dachbox zu öffnen und das Revival der „Dicken Decke“ zu feiern 🥳, denn so langsam wird es Nachts doch auch schon wieder etwas frischer in Dorphine und Twiggy fordert zudem auch einen, teils nicht unerheblichen, Deckenanteil ein, so dass eigentlich irgendwo immer ein Stückchen fehlt. Bei der Gelegenheit brachte Mario auch gleich die nächsten Ländersticker auf der Dachbox an – echt ne coole Sammlung die wir da mittlerweile haben 😃

Das Projekt Dachbox-Reorganisation abgeschlossen, war uns nach etwas süßem zumute…am besten ein leckeres Stückchen Kuchen. Ein nettes Café mit Free Wifi, das wäre es doch! Klitzekleines Problem an der Sache, auf Saaremaa sind Cafés, zumindest außerhalb des Städtchens Arensburg, eher spärlich gesät. Das muckelige Café direkt am Fährhafen öffnete erst 2021 wieder, und eine als Café auf Google geführte Mühle ein paar Kilometer weiter, war ne Touritrap und verkaufte nur Souvenirs und Brot…Da half es nur den Umkreis zu vergrößern… etwa 45 Minuten weiter weg sollte es ein süßes, von einer Großmutti geführtes Café geben, also nahmen wir Kurs darauf… leider auch geschlossen…Och menno. Wir wurden zwar in der Nähe doch noch fündig, aber so ein kleines, romantisches Inselcafe wie es in Vorstellung sein sollte, war es dann leider auch nicht…na ja, zumindest wurde der Heißhunger auf etwas Süßes erst einmal gestillt 🙃

Am späten Nachmittag regnete es sich dann auch noch richtig ein, und so verbrachten wir die restliche Wartezeit damit, es uns in Dorphine gemütlich zu machen und im kleinen Fährhafen das „free Wifi“ anzuzapfen. Um 19 Uhr war es dann endlich so weit, wir stachen in See!

Obwohl die kleine Insel nicht weit entfernt, erreichten wir erst 65 Minuten später Hiiumaa, da wegen der Fahrrinne einen riesen Bogen gefahren muss. Drüben dann angekommen, der Regen ist mittlerweile noch stärker geworden, machten wir uns sogleich auf den Weg zu einem der RMK Campingspots auf. Auch dieser war wieder spitze ausgestattet und bot alles, was das Camperherz begehrt 🙂…nur an ein Lagerfeuer war bei dem andauernden Regen nicht mehr zu denken.

Der Regen trommelte die ganze Nacht auf Dorphines Dach, dann, am nächsten Morgen, begrüßte uns jedoch die Sonne wieder🙃 Nachdem wir eine Kleinigkeit gefrühstückt hatten, starteten wir unsere Erkundungstour von Hiiumaa mit einem Besuch des Leuchtturms von Kõpu. Der Leuchtturm wurde bereits 1531 für die Hanse erbaut und ist derzeit der drittälteste, noch betriebene Leuchtturm der Welt! – Wow 😮 – (der älteste der Welt noch in Betrieb, steht übrigens in Spanien) Da wollten wir hoch! Mit nur 3€ Eintritt pro Person ein fairer Preis wie wir fanden, erklommen wir das steile und schmale Treppenhaus des alten, sehr massiven Bauwerkes. Mega cool!

Da der alte Leuchtturm nicht unmittelbar an der Küste gebaut wurde und damit bei Nebel schlecht sichtbar ist, musste in 1874 ein weiterer errichtet werden. Der Leuchtturm Ristna steht 10 Kilometer weiter und dient auch noch heute als zusätzlicher Wegweiser. Er ist jedoch bei weitem nicht annähernd so spannend wie sein älterer Gefährte und dementsprechend kurz fiel unser Stop dort auch nur aus. Jedoch gab es ganz in der Nähe einen etwas unscheinbaren Waldweg, mit dem Hinweis „Surfers Paradies“, und das weckte natürlich unsere Neugierde! Neben wunderschönen Wildcampingspots entlang des Waldweges und direkt an der Küste liegend, entdeckten wir auch das angepriesene Surfers Paradies, und joa… schon sehr lässiger anmutender Küstenabschnitt, leichte Brandung, ein paar kleine Bretterbuden zum einmieten und auch eine coole (leider auch bereits geschlossene) Beachbar, zudem super Wind…Paradies, da ist gewiss etwas dran 😃

Auf dem Weg zurück durch den kleinen Waldweg hatten wir sehr große Freude beim durchfahren der Pfützen. Moment mal, das wäre doch eigentlich eine perfekte Slow-Mo Aufnahme! Gesagt getan!

Yepp…genau, da kommt das Kind in uns durch… mit so einem tollen Quatsch vertreiben wir uns auch gerne mal die Zeit und haben dabei noch richtig viel Spaß 😃 Und das Beste ist, selbst wenn man den Radius des Spritzwassers dann doch leicht unterschätzt🤣… trockene Wechselklamotten liegen stets parat im Bulli😃

Von so viel Action und Lachen bekommt man selbstverständlich dann auch wieder etwas Hunger. Das kleine, fancy und mit Liebe zum Detail eingerichtete Fisch Restaurant „Kala Ja Võrk“, im Jachthafen von Kärdla liegend, mit einer preislich etwas gehobeneren Speisekarte, war schnell gefunden. Binnen kürzester Zeit avancierte es zu Twiggy‘s neuem Lieblingslokal, nämlich als der Kellner mit der Speisekarte kam, brachte er für sie nicht nur einen Napf mit Wasser, sondern auch noch eine Dose mit Hundeleckerlies mit – Wow – mega nett! Uns hat es auch sehr gut geschmeckt, wenn auch die Portionen gern ein kleineubisscheb größer hätten sein dürfen..aber so ist das nun mal, höhere Preise = übersichtlichere Portionen😁

Fertig mit dem Essen, war der Plan nach vier Nächten Wildcamping, wegen Abwasch etc, mal wieder einen Campingplatz anzufahren, doch so geil war das Angebot irgendwie nicht, und zudem geisterten uns noch die spitzen Spots von heute Morgen im Kopf herum. Glücklicherweise konnten wir im Yachthafen von Kärdla gegen eine kleine Gebühr duschen, womit ein Campingplatz obsolete wurde und wir uns zurück zum Surfer Paradies aufmachten. Der dann von uns auserwählte Spot war, ziemlich genau unserer Erwartung entsprechend, ein wahrer Ostsee-Traum 😃

Tag 122: Ein Küstenhike

Was für ein wunderbares, und doch auch so einfaches, „Luxusleben“ wir doch zur Zeit genießen dürfen ☺️ Nur wenige Meter von uns das Meer entfernt, die Sonne im Gesicht, frühstückten wir auch an diesem Morgen im Bett – unbezahlbar – sind nicht gerade die einfachen Dinge im Leben, die vielleicht Schönsten? Haach wie herrlich!

In va. 300-400 Meter Entfernung zu unserem Wildcampingspots stand ein Leuchtturm und genau diesem beschlossen wir zunächst einmal einen Besuch abzustatten. Der Leuchtturm von Sörve, und dieser ist definitiv imposant und toll anzusehen. Um hinauf zu kommen, hätte es jedoch 10€ für uns beide gekostet, dass war es uns dann doch nicht so ganz wert und so erfreuten wir uns der tollen Landschaft ringsum und beließen es, anstelle von oben, bei bestaunenden Blicken von unten 🙃.

Des Weiteren hatten wir uns noch sportliche Ziele für den Tag gesetzt! Einmal rund um die Landzunge von Harilaid war der Plan zu gehen, ein Hike, teils durch Dünenlandschaft, teils entlang des Strandes, mit immerhin etwas über 11 Kilometer, da schaun wir doch mal. Nach einer zunächst weiteren zornigen, kilometerlangen Schotterpiste – was die arme Dorphine doch alles mitmachen muss 😬 – erreichten wir den Besucherparkplatz und machten uns sogleich auf die Wanderschaft…anfangs mit Meeresblick jedoch ein kleines bisschen vom Ufer entfernt, dann immer näher an den Strand heran, bis wir den im Meer stehenden Kiipsaare Leichtturm erreichten. Von da an den auf der anderen Seite der Landzunge, zumeist am Strand entlang, wieder zurück. Alles in einem ein prima Hike und sogar mit dem Wetter hatten wir mal wieder riesiges Glück. Trotz vieler dunkler Wolken um uns herum, begann es erst leicht zu tröpfeln, als wir nach etwa 3 Stunden wieder bei Dorphine angelangt waren 😃

Als nächstes legten wir noch einen kurzen Tankstopp – im back to the 70th Stil 🙃 – ein. Was für eine geile Vintage Zapfsäule – noch mit mechanischem Laufwerk – oder? Wir stellten uns die Frage, ob diese wohl geeicht sei? 😆

Zu guter letzt musste natürlich noch ein guter Wildcampingspot für die Nacht her! Auch hier nutzten wir wieder die RMK App und fanden eine Reihe von super ausgestatteten, fantastisch liegenden Campingsites. Wir können diese App und die Initiatoren (sind übrigens vom staatlichen Forst Management) gar nicht genug loben, wirklich toll was einem hier alles umsonst zur Verfügung gestellt wird! Umso trauriger, wie einige Leute diese tollen Plätze teils hinterlassen…es kann doch nicht so schwer sein, seinen Müll wieder mitzunehmen…hat vorher in Tasche gepasst, passt auch nachher, oder?! Nützt ja nichts, Tüte raus und um uns herum erst einmal etwas Müll zusammengesammelt…zum Nachmachen empfohlen, wenn es doch leider einige Schwachköpfe einfach nicht raffen…so eine Ignoranz macht uns echt wütend😤

Da es auch hier wieder Holz für Lagerfeuer bereitgestellt wurde, nutzten wir natürlich die Gelegenheit und machten erneut ein Feuer. So wurde auch dies wieder ein sehr muckeliger Abend, wo auch der ein oder andere S‘More zu späterer Stunde dann noch verhaftet wurde – und wir genossen es ein weiteres Mal in vollen Zügen, hier an so einem tollen Ort sein zu können!